Biblische Wundererzählungen gehören zu den faszinierendsten Texten der Bibel. Sie laden zum Staunen ein, werfen Fragen auf und eröffnen Zugänge zu zentralen Themen des Glaubens. Im Religionsunterricht der Primarstufe stellen sie Lehrkräfte in ihrer Vermittlung jedoch häufig vor besondere Herausforderungen: Wie lassen sich die Erzählungen so aufbereiten, so erzählen, so bearbeiten, dass sie Kinder zum Nachdenken, Deuten oder auch Weitererzählen anregen?
In der Fortbildung „Praxistag spezial – wunder-volle Erzählungen“ gingen 50 Lehrkräfte diesen Fragen nach und erarbeiteten in praxisnahen Workshops unterschiedliche didaktische Zugänge. Nach einer gemeinsamen Einführung ins Thema sichteten die Lehrkräfte in ihren frei gewählten Workshops Texte verschiedener Kinderbibeln. Sie verglichen unterschiedliche Textfassungen die jeweils die Heilung des Bartimäus, die wunderbare Brotvermehrung sowie von der Sturmstillung erzählten. Verschiedene Methoden der Textarbeit, der kreative Einsatz von Legematerialien sowie Ansätze zur lebendigen Vermittlung biblischer Wundererzählungen im Unterricht wurden praktisch erprobt. Besonders die Erzählung eines Wunders aus einer zugelosten Perspektive stellte die Teilnehmenden zunächst vor einige Herausforderungen.
„Da habe ich gerade selber erfahren, vor welche Herausforderungen ich meine Schülerinnen und Schüler manchmal stelle“, sagte eine erfahrene Religionslehrkraft aus dem Sauerland. Gleichzeitig erschloss sich gerade durch die Identifikation mit einer Person der Erzählung ein entscheidender Zugang zum Wunderbaren des Geschehens.
Ihre Kollegin aus dem Ruhrgebiet ergänzt: „Mir hat der Vergleich der verschiedenen Textfassungen in den Kinderbibeln zu ein und derselben Textstelle besonders weitergeholfen. Schnell fiel uns in der Kleingruppe auf, was die Veränderung nur einiger weniger Worte ausmachen kann.“
Die Referentin für den Religionsunterricht an Grund- und Förderschulen, Katrin Holthaus, hatte gemeinsam mit ihrem Kollegen Johannes Röwekamp, Referent für schulische Ausbildung und katholische Bekenntnisgrundschulen und dem Team der AG Grundschule diese Tagung vorbereitet. Dabei bekam der bei vielen Lehrkräften beliebte Praxistag ein „upgrade“: Aus einem Fortbildungstag wurde eine Jahrestagung über zwei Tage, die auch noch Raum für Begegnung und Gespräch bot. Viele Lehrkräfte nutzen die Zeit zum Austausch und zur Vernetzung untereinander. Ebenso wurden die Angebote und Informationen der Abteilung Religionspädagogik nach- und angefragt.