Der kompetenzorientierte Lehrplan für die Grundschulen in Nordrhein-Westfalen legt den Fokus auf Kompetenzentwicklung und -förderung, Wissensvermittlung und die Anlage einer grundlegenden religiösen Bildung.[1] Auch performative Zugänge sind eine gute Möglichkeit, Symbole, Rituale und Handlungen des eigenen katholischen Glaubens zu erfahren und kennenzulernen. Die Seelsorgestunde bietet darüber hinaus die besondere Chance, die religiösen Lerninhalte auf das Leben in der Ortsgemeinde oder örtlichen Pastoralen Raum zu übertragen. Sie bietet den Kindern die Möglichkeit, Menschen zu erleben und mit ihnen in Kontakt zu treten, die konkret vor Ort, in der Kirche „nebenan“ oder im Pfarrhaus „gegenüber“ arbeiten und ihren Dienst im Sinne des Evangeliums leisten. Dabei erschließen sich für die Schülerinnen und Schüler oft neue Erlebnis- und Handlungsfelder. Gerade die Vorstellung und die Einladung zu kirchlich-sozialem Engagement und das durch die Seelsorgestunde bekanntgemachte lokale Brauchtum des Jahreskreises in Liturgie und Feier können das Schulleben bereichern. Lernen wird dann besonders bedeutsam, wenn es auf die Lebenswelt und Umwelt übertragen werden kann.
Zudem bietet die Schulpastoral und so auch die Seelsorgestunde einen leistungs- und bewertungsfreien (Schutz-) Raum, in dem alle Fragen, Zweifel und Anfragen an sich selbst als Person als auch den Glauben gestellt werden dürfen. Die Seelsorgestunde und das Personal, die sie durchführt, leisten so einen wichtigen Beitrag zum humanen Schulklima und erreicht so vielleicht auch (junge) Menschen, die der Kirche und dem Glauben an sich eher abgewandt sind.[2]
Hinzu kommt die besondere Chance für das pastorale Personal vor Ort, mit den Kindern in Kontakt zu kommen, denn nirgendwo sonst bietet sich diese Möglichkeit besser als an den (Grund-)Schulen. Das Schulleben und damit das Leben der Kinder spielt sich zu einem Großteil an der Schule ab, vor allem der gebundene und offene Ganztag bindet die Schülerschaft an diesen Lern- und Lebensort. Die Offenen Ganztagsschulen und Betreuungseinrichtungen in den Schulen sind ebenso Orte, die nicht außer Acht gelassen werden sollten, man freut sich dort meist über ein breit gefächertes AG- und Betreuungsangebot, wo sicherlich auch die Ortsgemeinde ihren Beitrag leisten kann. Das sollte sinnvoll genutzt werden.
In all diesen Strukturen der Betreuung und Beschulung kommt das einzelne Kind manchmal zu kurz, trotz aller Bemühungen und individueller Förderung. Hier kann die Seelsorgestundenarbeit und Schulpastoral ansetzen: Den jungen Menschen als Ganzes sehen, seine Bedürfnisse und seine Charismen ist unsere Aufgabe – nicht umsonst sind die Themen Resilienz und Achtsamkeit wieder in aller Munde, wo doch das christliche Ansinnen und Blick auf den Menschen damit so viel gemeinsam hat. Diese „Sorge um die Seele“ der uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler muss wieder mehr in den Blick genommen werden – neben allem Leistungs- und Notendruck.
Vor diesem Hintergrund bekommt die „Seelsorgestunde“ an Schulen, wie sie im Erzbistum Paderborn eine lange Tradition hat, eine wichtige „Auf-Gabe“. Viele Impulse können einerseits für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes und andererseits für das gesamte Schulleben von dieser Einrichtung ausgehen.Der gute Kontakt zu den Pfarrgemeinden, die Möglichkeiten, Lernorte zu wechseln und das Leben im Umfeld der Schule zu entdecken, realisiert sich in der Seelsorgestunde im besonderen Maße.
[1] Vgl. Lehrplan für die Primarstufe in Nordrhein-Westfalen (2021), S. 154f. Abzurufen unter: https://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/upload/klp_PS/ps_lp_sammelband_2021_08_02.pdf
[2] Vgl. Deutsche Bischofskonferenz (Hg.), Im Dialog mit den Menschen in der Schule. Eckpunkte zur Weiterentwicklung der Schulpastoral, Bonn 2020, S. 5ff.