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Schule und Hochschule im Erzbistum Paderborn
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© Jon Tyson@unsplash.com

Gottes Wort macht Schule. Interview zum ersten Sonntagsevangelium der Fastenzeit

Fastenzeit – eine geschenkte Zeit um innezuhalten, sich neu auszurichten und umzukehren.
Dazu braucht es immer wieder Inspirationen und eine Orientierung an Gottes Wort.
Unsere Impulse möchten Sie dazu anregen:
Zu Beginn jeder Fastenwoche präsentieren wir Ihnen auf unserer Homepage ein neues Interview, in dem das Evangelium des jeweiligen Fastensonntags die Gesprächsgrundlage ist:
Unsere Gesprächspartnerinnen und -partner stammen aus verschieden Bereichen der Schulpastoral, leben in verschiedenen Orten des Bistums, sind jung und älter. Gemeinsam ist ihnen ihr Interesse an Gottes Wort für ihr Leben.
So macht Gottes Wort Schule.

Evangelium des ersten Fastensonntags: Lk 1,1-13

1 Erfüllt vom Heiligen Geist, kehrte Jesus vom Jordan zurück. Er wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt, 2 vierzig Tage lang, und er wurde vom Teufel versucht. In jenen Tagen aß er nichts; als sie aber vorüber waren, hungerte ihn. 3 Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. 4 Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. 5 Da führte ihn der Teufel hinauf und zeigte ihm in einem Augenblick alle Reiche des Erdkreises. 6 Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen und ich gebe sie, wem ich will. 7 Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören. 8 Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. 9 Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; 10 denn es steht geschrieben: Seinen Engeln befiehlt er deinetwegen, dich zu behüten; 11 und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, / damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. 12 Da antwortete ihm Jesus: Es ist gesagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. 13 Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel bis zur bestimmten Zeit von ihm ab.

(Einheitsübersetzung 2016)

Insofern kann ich den momentanen multiplen Wüstenerfahrungen auch Positives abgewinnen. Sie bergen zwar die Versuchungen in sich, die eigene Berufung in Frage zu stellen, die größere Gemeinschaft der sichtbaren Kirche nur als Problem zu sehen und in die innere Emigration abzutauchen. Sie bieten aber auch die Chance, das Christsein jenseits aller äußeren Vergewisserungen und Absicherungen neu zu denken und zu leben.

Tobias Ebert, Schulseelsorger in Dortmund

Fünf Fragen an Tobias Ebert

Redaktion

1. Wer bist du und welche Aufgabe hast du in deinem schulischen Aufgabenbereich?

Tobias Ebert

Ich heiße Tobias Ebert, bin 50 Jahre alt und arbeite seit 14 Jahren am Mallinckrodt-Gymnasium Dortmund. Als kath. Schulseelsorger bin ich Ansprechpartner für Lernende und deren Erziehungsberechtigte sowie das Kollegium, feiere die Eucharistie mit der Schulgemeinde und kümmere mich um soziale Projekte. Ich unterrichte Kath. Religionslehre und Geschichte.

Redaktion

2. Welcher Gedanke oder welcher Vers des Sonntagsevangeliums spricht dich besonders an?

Ebert

„Er wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt.“ (Lk 1,1)

Redaktion

3. Welches Bildmotiv oder welches Foto verbindest du mit dem Evangeliumstext?

Ebert

 

 

 

Die Winteraufnahme zeigt den stillgelegten Dortmunder Güterbahnhof. Die Vegetation ist eingefroren. Im verschwommenen Hintergrund verzweigt sich das schon lange nicht mehr genutzte Gleis mehrfach, ohne dass erkennbar wäre, wohin es ein geführt hat. Ein stiller und einsamer Ort inmitten der Großstadt Dortmund.

Redaktion

4. Ist der Evangeliumstext bedeutsam für deine Arbeit? Kannst du hier Bezüge herstellen?

Ebert

In der momentanen kirchlichen Situation fühle ich mich wie in die Wüste geführt. Der größere kirchliche Kontext, der über die Schule hinausreicht, wird von meinen Lernenden mehrheitlich als eine lebensferne, wenn nicht lebensfeindliche Wirklichkeit wahrgenommen, aus der man tunlichst fliehen sollte. Ich wurde schon mehrfach gefragt, ob ein Kirchenaustritt zu Folge haben würde, dass wir sie „in die Wüste schickten.“ Umgekehrt bedeutet die rapide zunehmende Säkularisierung innerhalb der Schulgemeinschaft für mich als Priester, dass ich zwar viel geben kann, aber die Saat es schwer hat, weil der Boden unfruchtbarer wird. Ich bin umgeben von überwiegend wissbegierigen und freundlichen Menschen, genieße auf der allgemein menschlichen Ebene die Gemeinschaft und das pulsierende Leben unserer Schule, aber was mich zuinnerst bewegt, wird immer weniger verstanden. In unserer Kirche scheint momentan niemand so recht zu wissen, wo es denn hingehen soll und eine Durststrecke von nicht absehbarer Dauer liegt vor uns.

Doch diese nüchterne bis trübe Aktualisierung des Evangeliums greift bis jetzt zu kurz, denn der Weg Jesu in und durch die Wüste geschieht in Begleitung des Geistes und ist keine Unglücks- sondern eine Bewährungsreise. Zudem war die Wüste für den antiken Menschen nicht nur eine lebensfeindliche Umgebung, sondern Ort der Gottesbegegnung.

Insofern kann ich den momentanen multiplen Wüstenerfahrungen auch Positives abgewinnen. Sie bergen zwar die Versuchungen in sich, die eigene Berufung in Frage zu stellen, die größere Gemeinschaft der sichtbaren Kirche nur als Problem zu sehen und in die innere Emigration abzutauchen. Sie bieten aber auch die Chance, das Christsein jenseits aller äußeren Vergewisserungen und Absicherungen neu zu denken und zu leben.

Redaktion

5. Welchen Gedanken nimmst du dir aus dem Fastenevangelium für die kommende Woche mit?

Ebert

Ich versuche, meine persönlichen Wüstenerfahrungen zuzulassen und zu prüfen, ob sie für mich und andere heilsam sein können.

 
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